5. Anwendungsbeispiele
Zur Anwendung von Latentwärmespeichern gibt es viele theoretische Vorschläge und auch schon einige Anwendungsbereiche. Viele Projekte werden jedoch erst realisiert werden können wenn die Materialforschung noch bessere Speicherstoffe entwickelt hat. Neben den im Folgenden genauer erläuterten Anwendungen kommen Latentwärmespeicher zum Beispiel noch zum Antrieb von U-Booten in Kombination mit einem Stirlingmotor zur Anwendung[7, Seite 24f.]. Außerdem können sie in Zukunft zur Verlängerung der Lebenszeit von Bleiakkumulatoren und Verbesserung des Kaltstartverhaltens von Fahrzeugen mit solchen beitragen, indem die Temperatur des Bleiakkumulators von einem Latentwärmespeicher der mit Motorabwärme aufgeladen wurde bis zu 4 Tage lang konstant hochgehalten wird [7, Seite 23f.]. weitere Anwendungsgebiete die im Folgenden nicht weiter beschrieben werden sind als Überhitzungsschutz von Waffensystemen[7, Seite 25f.] und in Transportbehältern für Temperaturempfindliche Güter wie Blutkonserven, Medikamente und Pharmazeutika[1, Seite 3].
5.1 Verwendung bei der Temperaturkontrolle von Nachrichtensatelliten
Wie Edgar Leder in seiner Dissertation [15] erläutert kann durch die Verwendung
eines Latentwärmespeichers den ständig wechselnden Temperaturen in einem
Nachrichtensatelliten bei seiner geostationären Umlaufbahn um die Erde
entgegengewirkt werden. Vor allem weil einige elektronische Bauteile nur in einem
bestimmten Temperaturbereich zuverlässig und somit effektiv arbeiten, ist es
sinnvoll einen Latentwärmespeicher, der die Temperaturspitzen die sich durch
Sonnenbestrahlung und Sonnenschatten im regelmäßigen Abstand von ungefähr
vierundzwanzig Stunden ergeben, durch einen Latentwärmespeicher abzufangen. Bei
diesem ist dann die Schmelztemperatur des Speichermaterials so gewählt, dass sie
der optimalen Arbeitstemperatur des Satelliten entspricht und somit die
Zuverlässigkeit des Satelliten gewährleisten kann.
Ein Latentwärmespeicher kann auch zur Energieversorgung eines Satelliten
verwendet werden, indem die latent gespeicherte Sonnenwärme durch einen
Energiewandler wie dem Brayton-Cycle in elektrische Energie umgesetzt wird [7,
Seite 2].
5.2 Verwendung zur Wärmespeicherung in Wärmekonserven
Latentwärmespeicher können auch als Energiekonserve verwendet werden. Hier
macht man sich den Nachteil der Unterkühlung einiger Speichermedien, zum
Beispiel der meisten Salze zum Vorteil. Unterkühlen heißt, dass sie beim Abkühlen
nicht bei ihrem Schmelzpunkt kristallisieren, also keine Keimbildung einsetzt und sie
statt dessen flüssig bleiben. Diese Keimbildung setzt dann entweder später bei ihrem
Erstarrungspunkt ein, oder im Extremfall gar nicht von alleine. So ist es möglich,
dass das Speichermedium im flüssigen Zustand bis auf die Umgebungstemperatur
abkühlt und dann die Wärmeenergie über einen unbegrenzt langen Zeitraum in sich
tragen kann. Wenn dann die Keimbildung im flüssigen Speichermaterial verspätet
ausgelöst wird setzen diese Wärmeträger ihre latente Energie wieder frei [7, Seite 20
und 8, Seite 8].

Bild 4: Handwärmer - Ein Latentwärmespeicher als Wärmekonserve [16]
Bekannt ist diese Art der Wärmekonserve zum Beispiel aus Handwärmern. Diese
machen sich genau dieses Prinzip zu Nutzen. In einem unterkühlten, flüssigen Salz
(Nartiumacetat-Trihydrat) wird die Kristallisation ausgelöst indem ein
Metallblättchen in der metastabilen Lösung geknickt wird. Im Idealfall erreicht das
Wärmekissen dann eine Temperatur von 58°C, den Schmelzpunkt des Salzes [16].
5.3 Verwendung von PCMs in Funktionskleidung
Spezielle mikroverkapselte Latentwärmespeicher werden nach [1, Seite 5-8] auch in
Funktionskleidung verwendet. Kleine 3-20µm große Kapseln mit Paraffinkern
werden mit einem geschäumten Bindemittel auf der Kleidung fixiert. Skibekleidung
kann so länger vor dem Auskühlen schützen. Andererseits kann auch die
Einsatzbekleidung von zum Beispiel Feuerwehrleuten vor einer zu schnellen
Überhitzung bewahrt werden.
5.4 Verwendung von Latentwärmespeicher bei der Speicherung der Wärmeenergie von Solarthermieanlagen
Bei der Suche nach nicht fossilen Energiequellen werden viele Hausbesitzer von
Solarthermieanlagen überzeugt. Diese erwärmen sobald Sonne auf sie trifft Wasser,
welches dazu verwendet wird die Wärmeenergie der Sonne in einen Energiespeicher,
zum Beispiel einen Warmwasserpufferspeicher zu transportieren. Neben diesen
großen Warmwasserpufferspeichern gibt es jetzt auch die Möglichkeit einen
Latentwärmespeicher zur Wärmespeicherung zu verwenden.
Dieser hat vor allem den Vorteil, dass er durch seine höhere Speicherdichte viel
weniger Platz als herkömmliche Warmwasserspeicher benötigt und so auf gleichem
Raum bis zu vier mal mehr Energie gespeichert werden kann. Die niedrigere
Temperatur eines solchen Speichers bei gleichem Energieinhalt führt dazu, dass die
Solarthermieanlage auf einem niedrigerem Temperaturniveau arbeiten kann. Dieser
Effekt führt zu mehr Ertrag der Solarthermieanlage. Des Weiteren werden durch die
niedrigere Temperatur des Latentwärmespeichers im Vergleich zu einem
Warmwasserspeicher weniger Verluste durch Wärmeabstrahlung verzeichnet. Durch
diese Effekte ergibt sich ein höherer Energieertrag! Siehe hierzu auch den
praktischen Versuch (Punkt 4.) und seine Ergebnisse!
5.5 Verwendung zur Abfederung von Temperaturspitzen in der Gebäudetechnik
Die speziellen mikroverkapselten PCMs können auch in allen möglichen
Baumaterialien verwendet werden. So gibt es beispielsweise schon Putz und Estrich
mit beigemischten PCMs, die für eine hohe Wärmespeicherfähigkeit sorgen. Wärme
die bei Sonneneinstrahlung durch die Fenster ins Innere des Gebäudes kommt, kann
von den Wänden besser aufgenommen und gespeichert werden [1, Seite4f.]. Wie
dick eine Wand aus dem jeweiligen Baumaterial sein muss, um die gleiche
Wärmemenge speichern zu können zeigt folgende Grafik:

Abb. 12: Schichtstärke der einzelnen Speichermaterialien bei gleicher
Wärmespeicherkapazität [17]
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